Wenn ich einmal sterbe…

…dann bitte zuhause!

Lucas war ein ganz besonderer Schatz. Als ich ihn 2008 aus Barcelona holte war es Liebe auf den ersten Blick. Er hat Männchen gemacht damit ich ihn auf den Arm nehme und hat sich gründlich von mir streicheln lassen. Völlig verknotet und mit Kot und Urin beschmiert nahm ich ihn das erste Mal in die Arme. Er schien ganz traurig als ich wieder gehen musste. Wir zwei beide… das war Liebe auf den ersten Blick!

Zwei Tage später flog er mit mir nach Deutschland und wurde dann auf den Rest der Chaos-Cats losgelassen.

Leider zeigte sich schon am Anfang, dass Lucas und Mika ein Problem miteinander haben. Die beiden mochten sich einfach nicht und verwickelten sich immer und immer wieder in Streitereien, die meistens darin endeten, dass Lucas sich in irgendeine Ecke zurückzog um seinem Unmut über die ganze Sache mit einer Urinlaache oder einem großen Kothäufchen Ausdruck zu verleihen.

Ansonsten war er mehr als unkompliziert. Er war der wohl größte Schmuser, den ich je hatte. Auf jeden ging er sofort freudig zu und ließ sich kraulen. Wenn man aufhörte schnurrte er laut und buffte die Menschen so lange, bis sie ihn weiter streichelten.

Durch die Probleme mit Mika hatte ich überlegt, ob es nicht vielleicht besser wäre, Lucas ein neues zu Hause als Einzelkatze zu suchen. Als sich dann aber abzeichnete, dass wir selbst umziehen, ließ ich diesen Gedanken wieder fallen. Ich wollte mich nicht gerne von Lucas trennen.

Ich hatte gehofft es würde besser werden, als wir hier nach Sarstedt in das große Haus gezogen sind. Hier haben die Kampfhähne genug Platz sich aus dem Weg zu gehen. Anfangs wurde es dann auch ein bisschen entspannter und auch die Unsauberkeit hatte sich seit wir einen großen Kinder-Sandkasten als Klo benutzen, etwas gebessert.

Aus heiterem Himmel änderte sich das dann aber doch wieder und nachdem er den nagelneuen Laminatboden demoliert hatte traf ich die endgültige Entscheidung, Lucas abzugeben.

Ich schaltete Kleinanzeigen, in denen ich den schwarz-weissen Kuschelbär anpries.
Natürlich haben sich einige Interessenten gemeldet, die sich in sein Foto verliebt hatten, aber ich war wählerisch.
Einen so besonderen Kater wie Lucas gibt man nicht einfach irgendwem. Für ihn suchte ich einfach DAS zuHause.  Viele Interessenten habe ich abgewimmelt weil mir irgendetwas an ihnen nicht passte.

Vor einigen Wochen dann meldete sich eine Dame aus Würzburg. Sie schien sehr nett zu sein und wollte Lucas als “Ersatz” für ihren kürzlich abenfalls an Fiv verstorbenen Kater haben. Sie hatte sich bewusst nach einem Fivi-Perser umgesehen und auch dass er unsauber sein könnte (ich hatte ja die Hoffnung es würde sich legen wenn er irgendwo anders hin kommt) störte sie nicht.  Wir haben lange lange telefoniert und mir wurde klar: Die Dame war perfekt, sie wohnte nur leider sehr sehr weit weg!

Am liebsten wäre mir gwesen, ihn in meiner Nähe zu wissen, ihn besuchen zu können und über sein weiteres Leben wachen zu können. Trotzdem fiel die Entscheidung ihn so weit weg ziehen zu lassen. Die Dame war einfach genau DAS, was ich monatelang gesucht hatte.

Mitte Juli sollte es soweit sein. Sein neues Frauchen wollte mit dem Zug herkommen und ihn abholen. Die Karten, ein neues Körbchen, seine Lieblingsleckerchen und Spielzeug waren gekauft, Lucas war frisch entwurmt und gebürstet und wir warteten….

Durch einen blöden Zufall kam es, dass die Dame den Zug verpasste. Sie rief mich sehr trauirig an und erzählte mir die Geschichte. Die Karte hatte sie auch nicht mehr umtauschen können, so dass sie über 100 Euro zum Fenster rausgeworfen hatte. Das war sehr ärgerlich.

Die Dame klang so ehrlich enttäuscht, dass ich ihr versprach, Lucas nicht weiter zu vermitteln sondern zu warten bis sie wieder ein paar Euros zusammen hat um eine neue Zugfahrt zu bezahlen. Auf die paar Wochen sollte es nun auch nicht mehr ankommen.

Allerdings wurden die Streitereien immer schlimmer. Lucas pinkelte grundsätzlich nur noch im Schlafzimmer und im Bad auf den Fussboden. Als ich ein paar Tage nicht zuhause war sperrte Thorsten ihn in Einzelhaft zu uns ins geflieste Gästezimmer.

Hier taute er richtig auf. Wenn ich zuhause war nahm ich ihn mit zu mir ins Büro, damit er mit mir schmusen konnte. Es war richtig schön. Wir hatten viele viele Kuschelstunden… nur wir zwei, ohne die anderen! Es machte mich traurig zu wissen, dass diese Stunden bald vorbei sein würden, aber ich war mir sicher dass es für ihn das Beste ist.

Zwei Wochen lang ging das so, dann rief die Dame aus Würzburg an und eröffnete mir, dass ein Bekannter von ihr nach Hannover fahren würde und auf dem Rückweg Lucas mitnehmen könnte. Ich hatte zwar ein etwas mulmiges Gefühl, Lucas einfach einem wildfremden Mann in die Hände zu drücken, es gab aber offensichtlich keine andere Möglichkeit, ihn sonst in sein neues Zuhause zu bringen, denn die Dame hatte inzwischen ihren Job verloren und daher nicht unbedingt nochmal so viel Geld für eine Zugfahrt übrig…

Am Tag an dem Lucas dann schließlich abgeholt werden sollte, schrieb die Dame mir dann Vormittags eine Mail, dass ihr Bekannter seinen Lieferwagen nebst Anhänger komplett überladen hätte und für den Katzenkorb keinen Platz mehr hatte.

Ich war wie vor den Kopf gestoßen.
Konnte das wirklich sein?
Gab es so viele blöde Zufälle???
Es schien, als hätte irgendwer etwas dagegen, dass Lucas zu ihr kommt.

Das war letzte Woche. – Heute Nacht ist Lucas lautlos über die Regenbogenbrücke gegangen.

Ich fand ihn heute Morgen in Schlafposition auf seinem neuen Lieblingsplatz, der Fensterbank im Gästezimmer. Es gibt keinen erkennbaren Grund, warum sich der kleine Schatz aus dem Leben geschlichen hat.

Ich bin unendlich traurig aber auch sehr froh, dass er bei mir geblieben ist. Irgendetwas wollte, dass er hier bleibt und zuhause stirbt.

Aug 08, 2011 | 0 | Katzen, Tiere

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